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Interview mit Jamal El Mallouki, Geschäftsführer der KENSINGTON Crowd GmbH


veröffentlicht am 28.10.2019 von


ON LOCATION traf sich mit Jamal El Mallouki, Geschäftsführer der KENSINGTON Crowd GmbH und Vorsitzender des Deutschen Crowdfunding Verbandes
El Mallouki, Kensington Crowd

 
Herr El Mallouki, Sie sind einer der Pioniere in der Crowdinvesting-Szene in Deutschland und gelten als Vorsitzender des Crowdfunding-Verbandes als einer DER Experten der Branche. Was hat sich in den letzten 5 Jahren in der Branche entwickelt?
Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Der Crowdinvesting-Markt ist seit 2011 kontinuierlich gewachsen und hat in den letzten zwei Jahren noch einmal einen grossen Sprung nach vorne gemacht. Alleine 2018 lag das Volumen erfolgreich platzierter Crowdinvestments bei knapp 300 Millionen Euro. Auch die Zahl der Plattformen hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht, wobei vor allem der Immobilienbereich als Zugpferd fungiert. Ein weiterer wichtiger Schritt war 2015 das Inkrafttreten des Kleinanlegerschutzgesetzes, das erstmals einen Rahmen für Crowdinvestments vorgab. Dass es in diesem Jahr zu einer Evaluierung desselben kommt und dadurch die Möglichkeit für Anleger und Emittenten zu investieren bzw. Kapital einzusammeln noch einmal verbessert wird, bestätigt die positive Entwicklung der Branche.
 
Welche Rolle spielen institutionelle Anleger, wie z. B. Family Offices unter den Anlegern?
Institutionelle Anleger treten häufig als Kapitalgesellschaften auf. Für Crowdinvesting-Vorhaben sind sie deshalb interessant, weil sie in der Lage sind höhere Summen zu investieren. Für Emittenten hat das wiederum den Vorteil, dass die Fundingsummen schneller erreicht werden können.
 
Was für ein Marktpotential sehen Sie in Deutschland noch für die Crowdinvest-Branche?
Das Marktpotenzial würde ich auch für die Zukunft als sehr gut einstufen. Viele Sparer sind aufgrund der dauerhaft niedrigen Zinsen auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Crowdinvesting bietet eine Alternative zu herkömmlichen Finanzanlagen, wobei jeder Anleger ganz genau weiss, in welches Produkt oder Unternehmen Geld investiert wird. Anders als das beispielsweise bei manchen Fonds der Fall ist. Die bereits erwähnte Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes bietet Investoren und Unternehmen zudem neue Möglichkeiten, um in Crowdinvesting-Projekte zu investieren bzw. diese als alternative Finanzierungsmöglichkeit in Betracht zu ziehen.
 
Aus welchem Motiv sucht ein Projektentwickler Kapital über die Crowd?
Das kann verschiedene Gründe haben. Für viele erweist sich der Gang zur Bank oft als zu langwierig, denn Startups oder Projektentwickler benötigen oft schnell und unbürokratisch Kapital. Da bietet Crowdinvesting in puncto Tempo, Transparenz und Flexibilität wesentliche Vorteile gegenüber klassischen Finanzinstituten. Manchen kann die Crowd dabei helfen, ihre Eigenkapitalquote zu stärken und so leichter an Kredite zu gelangen, mit denen Projekte dann realisiert werden können. Anderen dagegen möchten die Öffentlichkeit aktiv einbinden und damit z. B. Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, sich am wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens zu beteiligen. So sammelt man nicht nur Kapital ein, sondern stärkt auch sein Markenimage.
 
Wie kann man sicherstellen, dass man nicht in die falschen Projekte investiert?
Das Wichtigste ist, sich vorab genau zu informieren und möglichst viel über das Projekt und das Unternehmen oder die Projektentwickler, die dahinterstehen in Erfahrung zu bringen. Dazu kann man den Anbieter eines Projekts oftmals auch direkt anschreiben und seine Fragen stellen. Vieles erfährt man aber auch schon in den Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB) der jeweiligen Projekte. Ein weiterer wichtiger Punkt, der für alle Arten von Investitionen gilt, ist die Diversifikation des eigenen Portfolios, d. h. sein Kapital möglichst breit zu streuen und in viele unterschiedliche Projekte zu investieren. Das vermindert das Gesamtrisiko und ein einzelner Ausfall kann leichter verkraftet werden.
 
Was genau steht in den Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB) und was bringt dies dem Anleger?
VIB sind eine Art „Beipackzettel“ für Anleger. Dort findet man die wichtigsten Informationen und Eigenschaften sowie Risiken zu der angebotenen Vermögensanlage. Dazu gehören unter anderem die Art und die genaue Bezeichnung der Vermögensanlage, die Laufzeit und die Kündigungsfrist oder die Konditionen der Zins- und Rückzahlung. Das erhöht nicht nur die Transparenz, sondern bietet den Anlegern auch eine gute Vergleichsgrundlage für andere Finanzanlagen.
 
Immer mehr Anleger investieren über Crowdfunding-Plattformen, Tendenz steigend. Wieso ist das aus Ihrer Sicht so?
Plattformen bieten viele Lösungen aus einer Hand an, die Sie für Anleger und Unternehmen attraktiv machen. Sie führen vor dem Start eine detaillierte Prüfung des Projektvorhabens durch und bereiten im Anschluss alle notwendigen rechtlichen und vertrieblichen Dokumente vor. Das erhöht die Sicherheit und Transparenz für Anleger. Während des Fundings übernehmen sie ausserdem verschiedene Dienstleistungen, wie z. B. die Anlegerbetreuung oder die Veröffentlichung des Reportings für Anleger. Ein weiterer Vorteil für Anleger: Sie können auf einer Crowdinvesting-Plattform in verschiedene Projekte investieren und so ihr Portfolio diversifizieren.
 
Sie sind Geschäftsführer der Plattform KENSINGTON Crowd. Was genau ist die Aufgabe eines Geschäftsführers solch einer Plattform?
Neben den klassischen unternehmerischen und kaufmännischen Aufgaben gehört im Falle einer Crowdinvesting-Plattform wie Kensington Crowd auch die umfassende Prüfung der Projektvorhaben auf Plausibilität und Realisierbarkeit zu meinen Aufgaben. Ausserdem vertrete ich die Plattform gegenüber Anlegern nach aussen. Dabei gehe ich sowohl auf die Bedürfnisse der Anleger als auch auf die der Emittenten ein. 
 
Was hat Sie motiviert, sich der KENSINGTON Gruppe anzuschliessen und dieses neue Geschäftsfeld mit aufzubauen?
Die Immobilienprojektentwicklung trägt einen wesentlichen Anteil zum Wachstum von Crowdinvesting in Deutschland bei. Beide Branchen ergänzen sich mit ihren jeweiligen Vorteilen sehr gut. Diese Wachstumspotenziale wollen wir nutzen. Ausserdem können wir mit der Kensington Crowd als - 100%ige Tochter der CrowdDesk GmbH unabhängig agieren, wobei CrowdDesk auf seine Stärken, wie die Vermarktung, Abwicklung und Administration von Crowdinvesting-Projekten setzen und gleichzeitig auf das grosse Immobiliennetzwerk der KENSINGTON Gruppe zugreifen kann.
 
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